GLP-1-Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro sind gut untersucht und für die meisten Patientinnen und Patienten gut verträglich — aber nicht nebenwirkungsfrei. Die meisten unerwünschten Wirkungen treten in der Aufdosierungsphase auf und klingen mit der Zeit ab. Einige Kontraindikationen machen die Behandlung für bestimmte Personengruppen grundsätzlich ungeeignet.
SunnyPharma hat diese Übersicht auf Basis der Swissmedic-zugelassenen Fachinformationen für Wegovy und Mounjaro, der STEP-1- und SURMOUNT-1-Studiendaten und der aktuellen Fachliteratur erarbeitet. Für die individuelle Beurteilung von Risiken und Kontraindikationen ist immer eine Ärztin oder ein Arzt beizuziehen.
- Häufigste NW: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung — meist in der Aufdosierungsphase
- Dauer: Stärkste NW in den ersten 4–8 Wochen; bessern sich nach Dosissstabilisierung
- Selten aber ernst: Pankreatitis, Gallenblasenbeschwerden, Herzfrequenzanstieg
- Kontraindiziert bei: medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC) / MEN2, Schwangerschaft
- Muskelabbau: Krafttraining + ausreichend Eiweiss reduziert Muskelverlust
- Absetzen: Schrittweise in Absprache mit dem Arzt — kein abruptes Absetzen
Welche Nebenwirkungen hat Wegovy?
Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) ist in der Schweiz von Swissmedic für Adipositas zugelassen. Das Nebenwirkungsprofil basiert auf den STEP-Studiendaten (über 4’500 Patienten) und ist in der Swissmedic-Fachinformation vollständig dokumentiert.
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Verstopfung
- Bauchschmerzen
- Pankreatitis
- Gallenblasenbeschwerden / Gallensteine
- Herzfrequenzanstieg
- Akute Nierenschädigung (bei Dehydrierung)
- Suizidale Gedanken (im Monitoring)
Wie lange dauern die Nebenwirkungen?
Die gastrointestinalen Nebenwirkungen sind in den ersten 4 bis 8 Wochen am ausgeprägtesten — insbesondere nach jeder Dosissteigerung. Die meisten Patientinnen und Patienten berichten eine deutliche Verbesserung, sobald die Dosis über mehrere Wochen stabil bleibt. Wer die Erhaltungsdosis von 2,4 mg erreicht hat, verträgt Wegovy in der Regel gut.
Folgende Massnahmen können helfen, Übelkeit zu reduzieren:
- Kleinere, häufigere Mahlzeiten statt weniger grosser Portionen
- Fettige, stark gewürzte Speisen in der Aufdosierungsphase meiden
- Langsam essen und gut kauen
- Ausreichend Flüssigkeit trinken
Welche Nebenwirkungen hat Mounjaro?
Mounjaro (Tirzepatid) zeigt in klinischen Studien (SURMOUNT-1) ein ähnliches, aber nicht identisches Nebenwirkungsprofil wie Wegovy. Als dualer GIP/GLP-1-Agonist aktiviert Tirzepatid zwei Rezeptoren — was den Gewichtsverlust verstärkt, aber auch das Nebenwirkungsspektrum leicht verändert.
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Verstopfung
- Verminderter Appetit
- Pankreatitis
- Gallenblasenbeschwerden
- Herzfrequenzanstieg
- Lipase-/Amylaseanstieg (Laborwerte)
Sind die Nebenwirkungen von Mounjaro stärker als bei Wegovy?
In den SURMOUNT-1-Studiendaten waren gastrointestinale Nebenwirkungen bei Mounjaro ähnlich häufig wie bei Wegovy — aber tendenziell etwas ausgeprägter, insbesondere in den höheren Dosierungsstufen (12,5 mg und 15 mg). Da Mounjaro höhere Gewichtsreduktionsraten erzielt, ist die Abwägung zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit individuell zu treffen.
Sind die Nebenwirkungen gefährlich?
Die häufigen Nebenwirkungen — Übelkeit, Erbrechen, Durchfall — sind belastend, aber nicht gefährlich. Sie klingen bei der grossen Mehrheit der Patientinnen und Patienten im Verlauf der Aufdosierung ab.
Ernster zu nehmen sind folgende seltene Komplikationen:
- Pankreatitis: Starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, sind ein Warnsignal. Bei Verdacht sofort Arzt aufsuchen und Behandlung unterbrechen.
- Gallenblasenbeschwerden: GLP-1-Therapien erhöhen das Risiko für Gallensteine und Gallenblasenentzündung. Symptome: rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Fieber.
- Herzfrequenzanstieg: Beide Wirkstoffe können die Ruheherzfrequenz erhöhen. Patientinnen und Patienten mit bestehenden Herzrhythmusstörungen sollen dies mit dem Arzt besprechen.
- Dehydrierung: Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall kann zu Dehydrierung führen, die wiederum die Nierenfunktion belasten kann. Ausreichend Flüssigkeit ist essenziell.
Sofort zum Arzt bei:
- Starken, anhaltenden Bauchschmerzen (mögliche Pankreatitis)
- Gelbsucht oder dunklem Urin (mögliche Gallenblasenbeschwerden)
- Starkem Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
- Schwellung im Halsbereich (möglicher Schilddrüsenbefund)
- Anhaltenden suizidalen Gedanken oder Stimmungsveränderungen
Wer darf keine Abnehmspritze nehmen?
Die Swissmedic-Fachinformationen für Wegovy und Mounjaro listen absolute Kontraindikationen, bei denen die Behandlung nicht eingesetzt werden darf.
Absolute Kontraindikationen für GLP-1-Abnehmspritzen:
- Medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) — persönlich oder familiär in der Vorgeschichte
- Multiple endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN2) — erbliches Tumorsyndrom
- Schwangerschaft — GLP-1-Therapien müssen mindestens 2 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden
- Stillzeit
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Semaglutid (Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro)
Besondere Vorsicht bei:
- Diabetischer Retinopathie (Wegovy kann Verschlechterung auslösen)
- Schwerer Magen-Darm-Erkrankung (z. B. Gastroparese)
- Schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz
- Pankreatitis in der Vorgeschichte
- Herzinsuffizienz (Klasse IV)
Vollständige Liste in der Swissmedic-Fachinformation auf compendium.ch.
Was passiert beim Absetzen der Abnehmspritze?
Das Absetzen einer GLP-1-Therapie ist medizinisch zu begleiten — kein abruptes Absetzen ohne Rücksprache mit dem Arzt.
Gewichtsrückgewinnung
Nach dem Absetzen kehrt der Appetit in der Regel zurück. Die STEP-1-Extension-Studie zeigte, dass Patientinnen und Patienten nach Absetzen von Semaglutid innerhalb eines Jahres durchschnittlich zwei Drittel des verlorenen Gewichts zurückgewannen. Dieses Muster ist bei allen GLP-1-Wirkstoffen dokumentiert und unterstreicht den Langzeitcharakter der Therapie.
Rückkehr der Begleiterkrankungen
Verbesserungen bei Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten, die unter GLP-1-Therapie eingetreten sind, können sich nach dem Absetzen teilweise zurückbilden. Das sollte in die Entscheidung über das Absetzen einfliessen.
Wie setzt man richtig ab?
Es gibt kein obligatorisches Ausschleichschema für GLP-1-Abnehmspritzen — ein abruptes Absetzen ist pharmakologisch möglich, aber nicht empfohlen. Die Entscheidung wird individuell mit dem Arzt getroffen. Patientinnen und Patienten, die aus OKP-Gründen absetzen müssen (Verfehlen des 5 %-Ziels), sollten mit dem Arzt besprechen, ob alternative Behandlungsansätze in Frage kommen.
Häufig gestellte Fragen zu Nebenwirkungen
Welche Nebenwirkungen hat die Abnehmspritze?
Die häufigsten sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung — meist in der Aufdosierungsphase, klingen bei den meisten Patientinnen und Patienten innerhalb von 4–8 Wochen ab. Seltene aber ernste Risiken umfassen Pankreatitis und Gallenblasenbeschwerden.
Wie lange dauern die Nebenwirkungen?
Die stärksten gastrointestinalen Nebenwirkungen treten in den ersten 4–8 Wochen auf — besonders nach jeder Dosissteigerung. Sie bessern sich deutlich, sobald die Dosis stabilisiert ist.
Sind die Nebenwirkungen gefährlich?
Die häufigen Nebenwirkungen sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Starke anhaltende Bauchschmerzen, Gelbsucht oder starkes Herzrasen sind Warnsignale — sofort Arzt aufsuchen.
Wer darf keine Abnehmspritze nehmen?
Kontraindiziert bei medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC) oder MEN2 in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte, Schwangerschaft, Stillzeit und bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
Was passiert, wenn ich die Abnehmspritze absetze?
Der Appetit kehrt zurück und das Gewicht nimmt bei den meisten Patientinnen und Patienten deutlich zu — Studien zeigen im Durchschnitt Rückgewinnung von zwei Dritteln des Gewichtsverlusts innerhalb eines Jahres. Absetzen schrittweise in Absprache mit dem Arzt.
Was ist das Ozempic-Gesicht?
Kein offizieller medizinischer Begriff. Beschreibt sichtbaren Gesichtsvolumenverlust durch raschen Gewichtsverlust — eine Folge des allgemeinen Fettgewebsverlusts im Körper, nicht eine spezifische Nebenwirkung von GLP-1-Wirkstoffen. Krafttraining und ausreichend Eiweiss können helfen.
Kann die Abnehmspritze Haarausfall verursachen?
Haarausfall (Telogen-Effluvium) ist eine bekannte Folge von raschem Gewichtsverlust — unabhängig von der Methode. Er ist in der Regel vorübergehend und bildet sich zurück, wenn sich das Gewicht stabilisiert.
Verursacht die Abnehmspritze Muskelabbau?
Rascher Gewichtsverlust kann auch Muskelmasse reduzieren. Regelmässiges Krafttraining und mindestens 1,2 g Eiweiss pro kg Körpergewicht täglich reduzieren den Muskelmasseverlust wesentlich.
Wie wir diesen Artikel erstellt haben:
Swissmedic-Fachinformationen Wegovy und Mounjaro (compendium.ch); Wilding JPH et al. — STEP-1 und STEP-1 Extension (NEJM 2021/2022); Jastreboff AM et al. — SURMOUNT-1 (NEJM 2022); WHO-Klassifikation Adipositas.
Redaktionelle Richtlinien lesen →Quellen & Referenzen
- Compendium.ch — Fachinformation Wegovy (Swissmedic): compendium.ch
- Compendium.ch — Fachinformation Mounjaro (Swissmedic): compendium.ch
- Wilding JPH et al. — Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP-1). NEJM 2021: nejm.org
- Wilding JPH et al. — Weight regain after semaglutide withdrawal (STEP-1 Extension). Diabetes Obes Metab 2022: dom-pubs.onlinelibrary.wiley.com
- Jastreboff AM et al. — Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1). NEJM 2022: nejm.org
- Swissmedic — Zulassungsinformationen Wegovy: swissmedic.ch